Ein wichtiger Tag in der Ukraine

2014-03-21

Heute, am 21.03.14, haben der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk und die EU in Brüssel ein Abkommen zur engeren politischen Zusammenarbeit unterschrieben. Wie der EU-Ministerrat beim Gipfeltreffen der Union mitteilte, handelt es sich um einen Teil des umfassenden Partnerschaftsabkommens, das der vorige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch im November 2013 auf Eis gelegt hatte. Die Regierungschefs von 28 EU –Ländern haben das Abkommen bewilligt.

Gerade die Tatsache, dass die alte Regierung unter Führung von Präsident Janukowitsch das unterschriftsreife Assoziierungsabkommen nicht unterzeichnen wollte und damit die Bindung der Ukraine an die EU bremste, war der Grund der großer Empörung und der Beginn der Proteste des Volkes in der Ukraine, die schließlich zu dem Regierungswechsel im Land führten.

Heute ist in der Ukraine ein großer Tag. Das Volk, das sich so sehr mehr Demokratie, mehr Menschenrechte und Freiheit wünscht, kann stolz sein. Die Menschen sehen die ersten Erfolge, die ihnen zeigen, dass es im Land auch anders zugehen kann. Das sind die ersten Schritte zur Annäherung an die EU, aber das sind sehr wichtige Schritte. Sie bedeuten, dass das Land auf dem richtigen Weg ist und dass es jetzt kein zurück mehr gibt.

Doch was die ukrainische Bevölkerung und wir nun erleben und verfolgen können, ist nur der Anfang. Eine Ehe ist natürlich noch nicht geschlossen, aber vielleicht darf man von einem Heiratsantrag oder einer Verlobung sprechen, wenn Sie uns hier einmal diese Metapher gestatten. Immerhin betreiben wir die Partnervermittlung Ukraine Natalya mit großer Leidenschaft für Sie.

Eins ist aber ganz sicher, die Ukraine hat ihren Partner bereits gewählt und der heißt EU. Keiner weiß, wie lange es noch dauert, bis die Ukraine ein vollwertiges Mitglied der EU wird. Das Land bleibt aber seinem neuen Partner und seinen Werten treu. Wir alle können ab jetzt sehr schön die positiven Entwicklungen in der Ukraine beobachten und uns mit den Menschen freuen.

Heute haben wir mit Elena (44), einer Lehrerin aus Kiev gesprochen.

Natalya Pastukhova: Elena, wie geht es Ihnen? Wie ist die Stimmung heute in Kiev? Wie fühlen sich die Menschen?

Elena: Die Meisten sind sicher traurig, dass es zu so einer Gesamtsituation in der Ukraine kam. Vor vier Monaten konnte sich keiner solche Szenarien vorstellen. Wir Ukrainer sind ein friedliches Volk und wollen einfach unser Leben leben. Wir wollen zur Arbeit gehen und uns um unsere Lieben kümmern. Wir wollen uns über jeden Tag freuen und das Leben genießen. Es war auch so. Ich kann mich nicht über mein Leben beklagen. Die neue Generation, die jungen Menschen, die wollen aber ein anderes Leben. Sie wollen keine Grenzen haben und wollen mehr selbst entscheiden und ihr Leben in die eigene Hand nehmen. Ich denke, sie haben auch Recht, sie fangen erst jetzt an zu leben. Und sie wünschen in einer anderen Ukraine zu leben, mit einer anderen Zukunft. Wir haben doch heute Zugang zu allen Informationen und wissen, wie es auch anders sein kann.

Die Stimmung ist gespalten. Auf der anderen Seite sind die Menschen auch sehr zufrieden und sehen sehr positiv in die Zukunft. Wir haben schwere Tage hinter uns. Ich beobachte die Menschen in der letzten Zeit. Sie gehen spazieren und lachen. Wir sind jetzt ganz gespannt, wie wir in den nächsten Monaten und den nächsten Jahren unser Leben in eine positive Richtung ändern werden. Wir wünschen uns mehr Perspektiven für unsere Kinder und mehr Offenheit. Ich glaube, wir sind ein starkes Volk und wir haben uns für die europäischen Werte entschieden. Das bringt uns eine andere Lebensqualität.

Ich war gestern im Theater. Es war rappelvoll. Die Menschen sind gut angekleidet und genießen das Leben weiter. Ich arbeite in der Nähe vom Maidan und gehe zu Fuß an den Theaterkassen vorbei. Immer stehen Menschen vor den Kassen. Das bedeutet, es geht den Menschen wieder gut. Wenn die Menschen im Stress sind und Angst haben, gehen sie nicht ins Theater. In Kiev sind die Theater wieder voll. Das freut mich sehr. In Kiev läuft alles wie früher.

Wir denken immer noch an die vergangene Tage, sind aber sehr stolz darauf, was wir gemeinsam erreicht haben, und gucken positiv in die Zukunft. Erst jetzt können wir hoffen, dass unser Land positive Änderungen erleben wird. Dafür haben wir jetzt eine gute Basis geschaffen.